Fairer Handel

Hintergründe und Geschichte des fairen Handels

In den Medien und der Werbung haben Schlagwörter wie "Fair", "Bio" oder "Öko" zur Zeit Hochkonjunktur. Das Bewusstsein der Menschen scheint sich in Zeiten des näher kommenden Zusammenbruchs unserer Umwelt zu verändern und mit ihm die Einstellung zu umweltpolitischen und sozialen Fragen, unter die auch das Thema Armut fällt. Verschiedene Kampagnen, wie z.B. » Deine Stimme gegen Armut, die sowohl mit hoher nationaler als auch internationaler Prominenz auf sich aufmerksam macht, versuchen den westlichen Industrieländern die Probleme und den Zusammenhang zwischen der Armut der Entwicklungsländern und unserem Reichtum deutlich zu machen.

Fairer Handel ist eine Art und Weise, wie man Armut und Umweltzerstörung minimieren kann. Viele haben eine ungefähre Vorstellung davon, was fairer Handel bedeutet. An dieser Stelle wollen wir jedoch genauer auf diesen Begriff eingehen.

Fairer Handel, was bedeutet das eigentlich genau?

Fairer Handel bedeutet, dass man respektvoll und fair mit den Herstellern aus den Herkunftsländern der Fairtrade-Güter umgeht. Man tritt ein für bessere bzw. gerechtere Handelsbedingungen und für die Sicherung sozialer Rechte von Kleinbauern, kleineren Händlern und Arbeitern, bevorzugt in den armen Ländern Asiens, Südamerikas und Afrikas. Fairtradesorganisationen sind bemüht diese Personengruppen aktiv zu unterstützen und streben nach einer Bewusstseinsveränderung im konventionellen Handel. Aus diesem Grund handelt man ausschließlich mit Produzenten, die durch den herkömmlichen Handel an den Rand gedrängt wurden und versucht diese zu stärken. Auf diese Art soll vor Armut bewahrt und nachhaltige Entwicklung gefördert werden. Es müssen folgende Grundsätze eingehalten werden, damit von fairem Handel die Rede sein darf:



Im fairen Handel gab es früher europaweit verschiedene Gütesiegel, die die entsprechenden Produkte auszeichneten (z.B. hieß die Zertifizierung in Deutschland, Italien und Österreich TransFair, in der Schweiz Max Havvlaar und in Irland, Großbritannien Fairtraide Mark). Die größeren Siegel haben sich inzwischen in einem Dachverband, der FLO ("Fairtrade Labelling Organizations International"), zusammengeschlossen. » www.fairtrade.net
Daneben bestehen noch kleinere Auszeichnungen des fairen Handels, die nicht so bekannt sind, wie das FTO-Label (Fair Trade Organisation) der IFAT (International Fair Trade Association). » www.ifat.org




Chronologie des fairen Handels

Entstanden ist die Idee des fairen Handels in den vierziger und fünfziger Jahren. Gründer waren sowohl religiöse als auch politisch motivierte Gruppierungen.

Die Bewegung, so wie wir sie heute kennen, entstand in den 60er Jahren in den Niederlanden. Auslöser waren Proteste von gesellschaftskritischen Studenten, die internationale Konzerne wegen deren ausbeuterischen und menschenunwürdigen Produktionsbedingungen anprangerten. Daraufhin entstand 1969 die niederländische Stiftung Steun voor Onderontwikkelde Streken ( Unterstützung für unterentwickelte Regionen ) und zugleich wurde der erste Weltladen in dem Ort Breukelen eröffnet. Konzentrierte man sich zu Anfang, vor allem auf handwerkliche Produkte, kamen in den 80er Jahren die ersten landwirtschaftlichen Produkte hinzu.

1988

Gründung des Vereins „Dritte-Welt-Partner Ravensburg“
Einführung des Max-Havelaar-Gütesiegels in den Niederlanden

1992

Gründung des deutschen Vereins TransFair mit Sitz in Köln (heute hat der Verein 40 Mitglieder aus den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Kirche, Sozialarbeit, Verbraucherschutz, Genossenschaftswesen und Bildung). Dieser entwickelt ein Siegel für fairen Handel und vergibt dieses an die Produkte, die unter den Kriterien des fairen Handels produziert werden. » www.transfair.org

1997

Erste Ausgabe der Zeitung „Welt & Handel – Infodienst für den Fairen Handel“ (von Misereo und BDKJ)

Die Kampagne für sauber Kleidung startet: man fordert einen Sozialfond für thailändische Näherinnen. Diese Forderungen werden gegenüber den Konzernen C&A, Karstadt, Metro, Neckermann, Otto und Quelle erhoben. Daraufhin startet der Otto-Konzern eine Kooperation mit der GEPA und bietet im eigenen Versandkatalog Produkte des fairen Handels an.

8. Europäische Weltladenkonferenz: verschiedene internationale Siegelorganisationen schließen sich zur Dachorganisation Fairtraide Labelling Organizations International (FLO) zusammen. 2007 sind insgesamt 20 Siegelorganisationen hauptsächlich aus Europa und Nordamerkia dort zusammengefasst. Der gemeinsame Sitz ist Bonn.

1999

4. Europäischer Weltladentag

2002

17 Siegelorganisationen einigen sich auf ein gemeinsames Logo


10jähriges Bestehen von TransFair

Die Europäische Kommission gibt bekannt, dass sie fairen Handel unterstützen will. Auch die Weltbank äußert sich positiv dazu.

2003

Das alte Siegel Fairtrade wird nach zehn Jahren, durch ein neues Siegel ersetzt.

2004

45-jähriges Bestehen der Fair-Trade-Organisation

2006

Verdopplung des Absatzes von Fairtradeprodukten in Deutschland

2007

Das Fairtrade-Siegel wird erneut überarbeitet und es entfällt der Schriftzug TRANSFAIR. Dies dient der internationalen Anpassung und soll den Warenverkehr auf dieser Ebene erleichtern.

Die Aufgabe der Überwachung und Einhaltung der Regeln der zertifizierten Unternehmen wird von TransFair e.V. an FLO - Cert Germany übergeben, um die Effizienz und Unabhängigkeit zu verbessern. » www.flo-cert.net

2008

Seit März bringt auch die Schweizer Siegelorganisation des fairen Handels, die Max Havelaar-Stiftung ihr Siegel in überarbeiteter Version auf den Markt. Das Siegel wurde der international einheitlichen Zertifizierung aller Fairtrade-Organisationen im Verbund der FLO angepasst. Somit haben inzwischen 15 europäische Länder ein einheitliches Siegel um fair gehandelte Produkt auszuzeichnen.

In Südafrika entsteht eine Fairtrade-Siegel-Organistion. Südafrika zeichnet somit (wie Mexiko) zum erstenmal fair gehandelte Produkte aus.